AKTUELLE AUSSTELLUNG
jochen schambeck l
highlights l
Malerei
ab dem 1. März
Jochen Schambeck l Knock Out (Granstedter See) l 1992 l Öl auf Leinwand l 40 x 30 cm
Jochen Schambeck l Knock Out 02 (Granstedter See) l 1992 l Öl auf Leinwand l 40 x 30 cm l 1.900 Euro
Jochen Schambeck l (Crash) Burn Up (20) l 1993 l Öl auf Leinwand l 30 x 40 cm l 1.900 Euro
Jochen Schambeck l (Crash) Golf von Neapel (57) l 1996 l Öl auf Holz l 27 x 30 cm l 1.600 Euro
Jochen Schambeck l (Crash) Golf von Neapel (58) l 1996 l Öl auf Holz l 30 x 27 cm l 1.600 Euro
Jochen Schambeck l (Crash) Liberty (55) l 1996 l Öl auf Holz l 62 cm x 62 cm l 4.500 Euro
Über die nächsten Wochen bauen Jochen Schambeck und ich die Ausstellung Highlights auf der webseite der galerie grandel auf. Highlights bietet uns die ideale Plattform über die Anfänge und die Entwicklung der Kunst Jochen Schambecks bis in die Gegenwart zu reflektieren.
Zu den in Highlights vorgestellten Werken verfassen Jochen und ich Texte. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Werdegang werden wir zu einem Katalog zusammenfassen und mit viel Glück in einer Retrospektive dem breiten Publikum vorstellen – die Suche nach einer adäquaten Ausstellungsmöglichkeit wird noch andauern.
Für Jochen steht das Werk Granstedter See 1992 am Anfang seiner künstlerischen Entwicklung – in jenem Jahr geschaffen, in welchem er sein Kunststudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe als Meisterschüler abgeschlossen hatte. Das Gemälde zeigt den Ausschnitt einer Landschaft, die Jochen schon als Kind faszinierte. Bis heute besucht er den Granstedter See, welcher sich unweit jenes Ortes befindet in dem Jochen aufwuchs.
Aus seiner Erinnerung heraus im Atelier gearbeitet, lässt der Karlsruher Künstler über die Farbgebung mit Rot-, Braun-, Blau- und Grüntönen eine dramatische Stimmung entstehen – ähnlich jener Landschaftsmalerei, die wir Mitte des 17. Jahrhunderts bei Künstlern in den Niederlanden finden. Gesteigert wird die Dramatik in diesem Werk durch den im Vordergrund gezeigten umgestürzten starken Baum. Es sind diese umgekippten Baumriesen welche Jochen immer wieder aufs Neue beschäftigen sollten und ihn dazu bewegten die Werkgruppe den Namen Knock Out zu geben.
Der Farbaufbau ist dem heutigen Arbeitsprozess ähnlich. Dem mehr als pastosen Farbauftrag mit Ölfarbe fügte Jochen schon vor 35 Jahren Ölfarbklumpen zu, um der Farbe noch mehr Körper zu verleihen.
Mit Granstedter See – Knock Out 02 – weiß uns Jochen mitzunehmen in seine ehemalige Heimat und an einen Ort dessen geheimnisvolle Atmosphäre immer wieder aufs Neue eine magnetisierend wirkt.
Aus dem Jahr 1993 ist das Werk (Crash) Burn Up (20) l Öl auf Leinwand l 30 x 40 cm – das schwere Tankerunglück vor den Shetlandinseln wurde Jochen Schambeck zum spontanen Anlass der Motivfindung. Tatsächlich direkt unter dem Einfluss der erschreckenden Dokumentation jener Havarie vor dem Fernsehbildschirm entstanden.
In seiner Farbgebung erinnert (Crash) Burn Up (20) an das Werk Granstedter See. Doch leuchten hier in Gelb gesetzte Lichtpunkte heraus. Der riesige sich immer weiter ausbreitende schmierige schwarze Ölfilm reflektierte das Licht auf gefährlich gelb.
Auch in der Intension unterscheiden sich die beiden frühen Arbeiten von Jochen Schambeck Granstedter See und (Crash) Burn Up (20). Vermittelt sich uns die Landschaft als Stimmungsbild, welches lebenslange Erinnerungen mit identitätsstiftenden Charakter in sich versammelt – einerseits. Andererseits die Öltankerhavarie, in der Darstellung weder zu verorten, noch zeitlich einzuordnen – also nicht als jene Umweltkatastrophe des Jahres 1993 zu identifizieren. Dieses Werk hat Stellvertretercharakter und spiegelt als Menetekel unsere Ängste wieder, die mit dem Wunsch nach ständigen wirtschaftlichen Wachstum zusammenhängen.
Für Jochen sind die stark pastose Malweise und die gewählte Farbigkeit ein Übersetzen der kurzlebigen Aufnahme auf dem flachen Fernsehbildschirm in eine eigene verstofflichte malerische Wirklichkeit von überzeitlicher Gültigkeit.
Auch die Werkgruppe (Crash) Golf von Neapel hat einen autobiographischen Hintergrund. Euch und Ihnen möchten Jochen und ich deshalb für diese Arbeiten eines unserer Gespräche wiedergeben:
R: In der Werkgruppe mit dem doppeldeutigen Titel „Golf von Neapel“ dominiert die Farbe Gelb – welche Bedeutung hat für Dich die Farbe Gelb? Und welche Bedeutung hat diese Farbe in dieser Werkgruppe?
Bei den Bildern war damals mehr das Erzählerische interessant und somit habe ich eher wie ein Zeichner gedacht und viel mit Hell-Dunkelkontrasten gearbeitet, ähnlich wie in der Grisaillenmalerei der mittelalterlichen Tafelmalerei, bei der es darauf ankam mit Hell und Dunkel Plastizität in den Bildern zu erzeugen. Und ich habe damals gerne Bilder gemalt bei denen das Feuer oder Explosionen eine große Rolle spielen und deshalb habe ich vornehmlich die Farben Gelb aber auch Orange benutzt um damit Feuer und Licht darzustellen. Aber dass das Auto, der Golf, eine gelbe Farbe auf dem Bild hat, kommt daher, weil mein Golf damals tatsächlich genau diesen gelben Farbton hatte. Die Farbe hieß kurioserweise Neapelgelb!
R: Du versetzt den seinerzeit real existierenden Golf in eine surreale Szene – ist diese Szenerie zu verorten?
Die Story dass ich Angst hatte tatsächlich mit meinem Golf nach Neapel in den Urlaub zu fahren und dass mir dort die Räder abmontiert werden könnten und wer weiß, dass vielleicht noch in der Übertreibung der Vesuv ausbrechen könnte und dann die Reifen gar nicht
abmontiert werden, sondern noch viel schlimmer, schmelzen und die ganze Karre schmilzt, hatte ich Dir ja schon erzählt.
R: Welche Funktion nehmen diese Werke für Dich ein?
Ich habe mir damals wegen meiner Angst einfach den worst case vorgestellt und diesen gemalt (ähnlich wie bei den Votivbildern, die man gemalt hat mit Schreckensszenarien wie Krankheiten, Unfällen, Naturkatastrophen usw., die man dann zur Prävention in der Kirche aufgehängt hat) und unglaublich, die Golf von Neapel Bilder, die ich vor meiner Reise gemalt habe, haben mich dann tatsächlich vor Unheil beschützt! Hatte sogar meinen Golf mitten in der Innenstadt von Neapel an einer Straße geparkt und vergessen abzuschließen! . . . Und siehe da, das Auto stand am Abend noch da!
Freiheit in Gefahr! Bei diesem Werk sind wir hineinversetzt inmitten eines riesigen Feuerballs. Unten rechts entdecken wir in Vogelperspektive dargestellt, die New Yorker Freiheitsstatue. Ihr Strahlenkranz wird teilweise von dem leuchtenden Feuerball verdeckt: „Bei dem Bild Liberty habe ich mir vorgestellt, wie es sein würde, wenn die Fackel der Freiheitsstatue tatsächlich einmal in Brand geraten würde. Fast die ganze Fläche des Bildes besteht aus den Flammen der brennenden Fackel. Die Statue ist durch die verzerrte Perspektive ins untere rechte Eck und damit in den Hintergrund gedrängt worden. Damit nimmt die Freiheitsstatue eine erklärende Kommentarfunktion ein. Ich entdeckte in dem entstandenen Werk ein Warnzeichen dafür, dass die Freiheit in Gefahr ist. Das Bild nahm für mich mehr und mehr symbolischen Charakter ein. Ich habe das Bild so gestaltet, dass dem Betrachter die Fackel, das Feuer bedrohlich entgegenkommt und man förmlich in den Sog des Feuers gerät. Seinerzeit überlegte ich mir Bildmotive, die es in Wirklichkeit eigentlich gar nicht geben kann: Denn die mit Blattgold überzogene Kupferfackel kann nicht brennen! Aber in der Malerei ist eben alles möglich!“
