wolfgang neumann l

Mit den Mitteln der Malerei versammelt Wolfgang Neumann in seinen Werken Motive und Wirklichkeitsebenen. Dabei lässt er unterschiedliche Lebensbereiche aufeinanderstoßen, schafft sensible Übergänge, transportiert Meinungen und Zeitdokumentarisches sowie vor allem Gefühle. Gewisse Bildhinhalte sind leicht zu identifizieren oder scheinen zumindest schnell bestimmbar zu sein, während andere Werke in ihrer motivischen Verdichtung Paradoxien und Diskontinuitäten schaffen, die uns fast schon verzweifelt rätseln lassen. Dabei werden wir konfrontiert mit jenen Mechanismen, die das Wahrnehmen, das Wiedererkennen und das Formulieren für den Künstler selbst bedeuten.

Noch deutlicher als in früheren Jahren inszeniert Neumann die innerbildlichen Widersprüche durch die Malerei. In den weiten Farbflächen werden die gesprühten Elemente – Schlingen und Schlieren, die auf dem Hintergrund zu schweben scheinen – reduziert oder vollständig weggelassen. Dies geschieht zugunsten von nun fest im Bild stehenden Formen, deren Leuchtkraft durch kontrastierende malerische Elemente gesteigert wird.

Auf der anderen Seite der schnelle sichere Strich. Ob schmale, gerade Linien oder mit breitem Pinsel gesetzte Striche, die Farbigkeit für die einzelnen Bereiche innerhalb der Komposition wird geschlossener gewählt. Äußerst sensibel und im Ergebnis von magnetischer Ästhetik ist die  Verwendung von Ölkreide als beschließendem zeichnerischem Akt. Neumann schafft mit den dünnen Linien Umrisse, Verbindungen und Tiefe. Hier wie ein Widerhall auf die entstandenen Strukturen oder dort als eine Reflexion auf einen kräftigen Pinselstrich, schafft die Ölkreide Lichtpunkte und wird zur Einladung sich auch auf die malerischen Auseinandersetzungen einzulassen.

Die Titel seiner Werke sind häufig Wortneuschöpfungen aus Ausrufen, Anglizismen oder zitierte Bezeichnungen, die häufig in der Tagesberichterstattung verwendet werden. In sich vereinigen diese Werktitel bereits den Witz, ebenso den Ernst, die Wiedererkennbarkeit und die surreale Irritation und bereiten den Betrachter auf ebensolche Bildinhalte vor.

Schnell kommen wir beim Betrachten der Werke von Wolfgang Neumann auf das aktuelle politische Geschehen zu sprechen oder fühlen uns an Themen aus Literatur- und Kunstgeschichte erinnert. Anlässe zur Bildnerei finden sich für den informationssensiblen Maler und Zeichner im alltäglichen Medienvielerlei: „Der Input funktioniert eigentlich pausenlos auf allen Kanälen. So wie ein Bartenwal schwimme ich durch einen Strom an Informationen und es bleibt entsprechend viel Futter und Analogfutter hängen. Ich sammle Ausschnitte und Jpegs wie auch eigene Schnappschüsse. Manchmal gibt es schon Bildtitel oder kleine Scribbles. Zumeist das bewusst wie unbewusst Doppelbödige, Schillernde und Schräge. In mancher Meldung wie auch mancher Bildvorlage steckt dann schon ein Funken Metaphorik drin, der noch Veredelung oder andere Tendenzen benötigt. Es ist mir wichtig, dass es über die Situation hinaus deutet und mit meiner Seherfahrung abgeklopft, abgeglichen und abgerundet wird. Also ein bloßer Bildwitz oder Kalauer wäre jetzt nicht ausreichend als Sujet. Ich will ein großes Moment an Zeitgeistigkeit und Zeichenhaftigkeit.“ (Interview mit Helge Baumgarten, Stuttgart/Berlin 2014)

Als vielschichtige, intellektuelle Herausforderungen kennzeichnen seine grotesken bis anarchistischen Bildfindungen einen Künstler, der sich selbst stärker in der Rolle eines Skeptikers, denn eines Kritikers unserer Medien(un)wirklichkeit sieht. Denn bei den Zitaten aus unseren kollektiven medialen Erinnerungen, entziehen sich die einzelnen thematischen Segmente dieser Bilder einer konkreten Deutung. Seine Malerei dokumentiert und kommentiert somit multiple Ausschnitte von Wirklichkeit.

Die Gestaltung seiner Mischtechniken auf Leinwand und der Einsatz des Pinsels ist bei aller gegenständlichen Kontroverse kontrolliert vielseitig, so dass Adrienne Braun im renommierten ART-Magazin konstatierte: „Das ist pure Freiheit, lustvoll und verstörend zugleich, widersprüchlich und doch so verführerisch, dass man sich in diesen Bildern verliert wie beim hemmungslosen Surfen im Netz.“ (ART August 2015)

Biografie l

1977

Geboren in Filderstadt, lebt in Waiblingen

1997-1998

Studium an der PH Ludwigsburg

1998-2004

Studium Malerei/Zeichnung/Intermediales Gestalten an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

2002-2004

Studium an der Universität Stuttgart

Preise und Stipendien l

2001

1. Platz des Kurzfilmfestivals 2001 der Hochschule der Medien, Stuttgart

2004 / 2006 / 2008

Förderung der Stiftung LB-BW

2010-2013

Stipendium des Landkreises Esslingen

2021

Kunstpreis VR Bank Ostalb

Werke in öffentlichen Sammlungen l

Regierungspräsidium Stuttgart / Staatsgalerie Stuttgart / Stadt Bad Waldsee / Stadt Ludwigsburg / Städtische Galerie Ostfildern / Südzucker Kunstsammlung / Museum im Kleihues-Bau Kornwestheim / Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart / Kreissparkasse Ludwigsburg / Graphische Sammlung Backnang / Sammlung LBBW / Sammlung Hypovereinsbank / Landkreis Esslingen / Stadt Ehingen / Akademie der Künste Berlin (Aras Ören Archiv)

Bibliografie l

Wolfgang Neumann: Links zu Fabian, Ausst.-Kat., Galerie in der Zehntscheuer Zuffenhausen 2001, Ludwigsburg, 2001

Wolfgang Neumann. Kugelsicher, hrsg. von Wolfgang Neumann, Ludwigsburg 2004

Wolfgang Neumann. Wanwiz, hrsg. von fine arts 2219. Galerie für Kunst und Gegenwart, Ausst.-Kat., fine-arts Galerie für Kunst und Gegenwart 2006, Kerber Verlag, Bielefeld/Leipzig 2006

Wolfgang Neumann. Mittelbemindert, hrsg. von Städtische Galerie Ostfildern und Colmar Schulte-Goltz, Ausst.-Kat. Städtische Galerie Ostfildern 2008, Kerber Verlag, Bielefeld/Leipzig 2008

Wolfgang Neumann. Ballaststoffe, hrsg. vom Kunstzentrum Karlskaserne, Ausst.-Kat., Kunstzentrum Karlskaserne, Ludwigsburg 2009

Wolfgang Neumann. Richtlinie, hrsg. vom Kunstverein Heidenheim, Ausst.-Kat., Kunstverein Heidenheim 2009, Verbrecher Verlag, Berlin 2009

Wolfgang Neumann. Sürpression, hrsg. vom Kunstverein Worms, Ausst.-Kat., Kunstverein Worms 2010, Traumbuch-Verlag, Marbach 2010

Wolfgang Neumann. Viva Navi Naiv, hrsg. von Irmgard Sedler, übersetzt ins Englische von Wilhelm von Werthern, Ausst.-Kat., Museum im Kleihues-Bau Kornwestheim 2011, Die Neue Sachlichkeit, Kornwestheim 2011

Wolfgang Neumann. Big Chewseum, Faltblatt zur Ausstellung, Egbert Baqué Contemporary Art 2011, Berlin 2011

Wolfgang Neumann. Ram Pixxs, hrsg. vom Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Württemberg, Ausst.-Kat., Show-Room Ravensburg 2012, Stuttgart 2012

Wolfgang Neumann. Hereinspaziert, Faltblatt zur Ausstellung Manege à deux, Schacher – Raum für Kunst 2012, Stuttgart 2012

Wolfgang Neumann. Labile Seitenlage, hrsg. vom Kunstverein Markdorf e.V., Ausst.-Kat., Stadtgalerie Markdorf 2013, Markdorf 2013

Wolfgang Neumann. Peak Flow, hrsg. vom Landkreis Esslingen, übersetzt ins Englische von Wilhelm von Werthern, Ausst.-Kat., Stipendiat des Landkreises Esslingen 2010–2013. Abschlussausstellung Steingießerei, Kulturpark Dettinger Plochingen 2013, Esslingen 2013

Wolfgang Neumann. Flashlight and Blackout, hrsg. von Egbert Baqué, übersetzt ins Englische von Wilhelm von Werthern, Ausst.-Kat., Egbert Baqué Contemporary Art, Berlin 2014, Edition Randgruppe, Stuttgart 2014

Wolfgang Neumann. Holiday on Eyes, hrsg. von Tobias Schrade, Ausst.-Kat., Galerie Tobias Schrade, Ulm 2014

Wolfgang Neumann. Werkbetrachtungen, Stuttgart 2014

Wolfgang Neumann. Geriatric Playground, hrsg. von Oberwelt e.V., Ausst.-Kat., Oberwelt e.V. 2015, Edition Randgruppe, Stuttgart 2015

Wolfgang Neumann. supermachtlos, hrsg. von Graphothek Stuttgart, Ausst.-Kat., Graphothek Stuttgart 2015, Verbrecher Verlag, Berlin 2015, [in Druck]

Wolfgang Neumann. frizzant brisant., hrsg. von Hospitalhof, Ausst.-Kat., Hospitalhof Stuttgart 2016, Stuttgart, 2016

Wolfgang Neumann, Virtual Earthlings, hrsg. Show-Room Ravensburg, Ausst.-Kat., Show-Room 2016, Verlag der PH Ludwigsburg, Ludwigsburg 2016

Wolfgang Neumann / Cordula Güdemann. Brüche und Blüten, hrsg. Kunstverein Ellwangen, Ausst.-Kat., Kunstverein Ellwangen, Ellwangen 2017

Wolfgang Neumann / Julia Wenz. Trap Smash Trap, Faltblatt Kunstverein Schorndorf, Galerie Q, Schorndorf, 2018

Wolfgang Neumann. True de Force, Edition-Randgruppe, Stuttgart 2019

Wolfgang Neumann. Hammer+Tanz, hrsg. Volksbank Ostalb, Ausst.-Kat., Museum Schloss Fachsenfeld, Aalen/Edition Randgruppe, Stuttgart 2021

Einzelausstellungen l

Auswahl aus den letzten fünf Jahren (k steht für Katalog zur Ausstellung erschienen)

2021

Hammer und Tanz, Schloss Fachsenfeld (Kunstpreis VR Ostalb) [k] / Scheibenweise, Poly-Galerie, Karlsruhe

2020

Canvasationen (mit J. Braig) galerie grandel, Mannheim / Schnittstellen, Galerie im Gewerkschaftshaus, Stuttgart

2019

Mudd, Galerie der Stadt Ehingen / Sollbruchstelle, Galerie Schacher Stuttgart / Derivate, Künstlerbund Tübingen

2018

True de Force, Galerie der Stadt Tettnang / Kabinett, Kunstverein Böblingen / Trap-Smash-Trap, Wolfgang Neumann, Julia Wenz, Q Galerie, Schorndorf / Bloom, Egbert Baqué Contemporary Art, Berlin

2017

Brüche und Blumen (mit Cordula Güdemann) , Kunstverein, Schloss ob Ellwangen [K]

2016

Spülsaum, Malerei und Zeichnung, galerie grandel, Mannheim / frizzant brisant, Hospitalhof, Stuttgart [K] / Virtual Earthlings II, Show-Room, Ravensburg [K]

2015

Geriatric Playground, Oberwelt e.V., Stuttgart [K] / supermachtlos, Graphothek, Stuttgart [K]

+49 160 8249 824

weinmann@galeriegrandel.de

Adresse: